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Lesung

Tabuthema "Russenkinder“

12.09.2018 ǀ Demmin.  Die Evangelische Kirchengemeinde Demmin Sankt Bartholomaei lädt am Donnerstag, 20. September, um 19 Uhr zu einer Lesung mit anschließender Gesprächsrunde in das Gemeindezentrum Am Kirchplatz 7 ein. Gelesen wird aus dem Buch „Distelblüten - Russenkinder in Deutschland“.

Als „Russenkinder“ bezeichnete Nachkommen sowjetischer Soldaten und deutscher Frauen schildern an diesem Abend ihre Erfahrungen als „Kinder des Feindes“. „Sie waren nicht gewollt und sind doch geboren worden. Gezeugt von Angehörigen der Sowjetarmee mit einer deutschen Frau, in Gewalt oder in einer Liebesbeziehung. Alle gemeinsam haben eine Erfahrung gemacht: Fast immer ein lebenslanges Schweigen der Mütter, auch über den Tod hinaus“, so die Ankündigung der Kirchengemeinde. Gemeinsam ist vielen der „Russenkinder“, dass sie oft noch heute unter der erduldeten Stigmatisierung leiden. Mit dem Buch „Distelblüten - Russenkinder in Deutschland“ wollen die Betroffen, heute über 70-Jährigen, an die Öffentlichkeit gehen, um die Mauer des Schweigens bei sich selbst und bei anderen zu brechen. Für viele der am Buch Beteiligten hatten das Schreiben und das Reden über diesen prägenden Teil ihrer Biografie eine befreiende Wirkung.
 
Mantel des Schweigens wird gelüftet
 
Schätzungen gehen davon aus, dass nach 1945 mehr als 100.000 „Russenkinder“ geboren wurden. Manchen von ihnen war oder ist diese Herkunft nicht bekannt, manche schweigen auch heute noch aus Scham oder aus Angst vor Ausgrenzung. Der Herausgeber von „Distelblüten - Russenkinder in Deutschland“, Winfried Behlau, wurde durch Vergewaltigung gezeugt und überlebte Abtreibungsversuche. Birgrit Michler hingegen ist aus einer Liebesbeziehung entstanden. Beide werden am 20. September in Demmin aus ihrem Leben berichten. Wie viele Besatzungskinder abgetrieben wurden, ist unbekannt. Aus einer Studie der Leipziger Universität zum Thema „Russenkinder“ entstand die Gruppe „Distelblüten“, die sich erstmals im Jahr 2014 traf. Aus den Begegnungen der Gruppe entwickelte sich dann die Idee, das Erlebte in Buchform zu bringen. „Warum es ‚Distelblüten‘ heißt, erklären die beiden natürlich in Demmin“, kündigt Pastor Karsten Wolkenhauer an. In dem Buch werde keine Anklage erhoben, es gebe kein Jammern, sondern es gehe um einen Teil der Geschichtsschreibung, der alle Kriege betrifft und der bisher mit einem Mantel des Schweigens umgeben war. „Die Kirchengemeinde lädt gemeinsam mit Birgrit Michler und Winfried Behlau alle Interessierten zur Lesung und zum anschließenden Gedankenaustausch ein“, so der Pastor.
Quelle: PEK (sk)

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