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Pastor Christian Brodowski verlässt Mirow in Richtung Hamburg

"Ich geh grad gar nicht gern“

Von Nicole Kiesewetter

Christian Brodowski in der Mirower Johanniterkirche: „Ich werde wohl nie wieder in so einer schönen Kirche predigen.“
03.06.2018 ǀ Mirow.  Trotz schwieriger Bedingungen für seine Familie und ihm vorher unbekannter Herausforderungen war Christian Brodowski gern Pastor in Mirow. Doch die Stelle wird zukünftig nur noch 75 Prozent betragen. Und es kam eine Anfrage aus Hamburg. Nun geht er.

Ein wenig zerrissen wirkt Christian Brodowski: Da ist auf der einen Seite die Pfarrstelle in Hamburg-Schenefeld – die Stelle, die er schon nach seinem Vikariat wollte. Doch andererseits „lief es gerade richtig gut hier“. Dabei war es alles andere als ein leichter Start für ihn, als er vor knapp drei Jahren mit seiner Frau und den damals noch zwei Kindern nach Mirow kam. Seine Familie wohnt in Neustadt in Holstein, seine Frau hatte eine Stelle in Greifswald, man schickt ihn nach Mirow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. „Sagen wir so, die Entscheidungen der Nordkirche, wohin sie ihre jungen Pastoren schicken, sind nicht immer ganz transparent“, formuliert er vorsichtig und möchte es dabei belassen.

Dennoch sei er „hoch motiviert gewesen“, seine erste Stelle als Pastor anzutreten. „In der Rückschau muss ich jedoch zugeben: Das erste Jahr war hart.“ Und das habe nicht, wie er betont, an der Gemeinde gelegen, die Menschen hätten ihn freundlich-neugierig aufgenommen. „Aber die Allzuständigkeit von Pastoren in dieser Region – darauf wird man in der Ausbildung nicht vorbereitet.“ „Vom Grashalm bis zur Glühlampe, für alles ist hier der Pastor oder die Pastorin zuständig“, veranschaulicht er und gibt zu, sich zu Beginn nur mit Mühe in dieses Pastorenbild eingefügt zu haben. „Ganz ehrlich, ich habe mir doch früher nie Gedanken darüber gemacht, wie die Kollekte auf die Bank kommt. In meinen früheren Gemeinden gab es immer genug Menschen, die sich um verschiedene Belange gekümmert haben.“

Vielfalt der Aufgaben auch schätzen gelernt

Doch Christian Brodowski nimmt die Herausforderung an, schafft neue Strukturen. „Wir haben beispielsweise stundenweise eine Gemeindesekretärin einstellen können. Sie ist nun die Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen.“ Und dass die sich ansprechen lassen, wurde auch zu einer der guten Erfahrungen. Mittlerweile habe er „die Vielfalt schätzen gelernt, die Freiheit, die man auch ein Stück weit hat, Dinge zu gestalten“. Außerdem sei es Privileg, sich in jungen Berufsjahren mit Bausachen beschäftigen zu können. Die Kleinstadt Mirow sei zudem ein „Hotspot in der Region“. „Ich hatte keine Ahnung, was hier los ist in der Saison.“ Das habe er genutzt, Andachten für Pilger angeboten, Andachtsflyer in der offenen Kirche ausgelegt. „Manchmal hab ich mich einfach so an der Kirche herumgetrieben, um mit den Touristen ins Gespräch zu kommen – das war ganz einfach und super spannend.“ Er habe Christen aus ganz Deutschland kennengelernt – „das hat man auch nicht auf jeder Pfarrstelle“.

Den neuen Stellenplan, der ab Januar 2019 im Kirchenkreis Mecklenburg umgesetzt wird, findet er „prinzipiell sinnvoll“, weil so Regionen nicht nur mit Stellenanteilen für Pastoren, sondern auch für Kirchenmusiker und Gemeindepädagogen versorgt werden. Doch der Nachteil sei, dass es dann in Mirow mit den dazugehörigen Orten Leussow und Zirzow nur noch eine 75-Prozent- Pastorenstelle gibt. Als ihn die Anfrage aus Schenefeld erreichte, „war das vielleicht etwas zu früh, aber manchmal entwickeln die Dinge ihre eigene Dynamik.“ Näher an der Familie und eine klare berufliche Perspektive, das ist dem Vater von mittlerweile drei Kindern eben auch wichtig. Am Pfingstmontag ist Christian Brodowski in einem festlichen Gottesdienst verabschiedet worden, viele Dankesworte und guten Wünsche begleiten ihn und seine Familie auf dem neuen Weg. Da klingt es überzeugend, wenn er sagt: „Ich geh grad gar nicht gern.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 22/2018

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