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Morgenandacht


Von Matthias Bernstorf, Schwerin

Heringswochen

Er hilft gegen Kopfschmerzen und war das Gold der Hanse: Der Hering. Jetzt ist seine Zeit. Die Heringswochen auf Usedom und die Heringstage in Wismar haben begonnen.

Beides geht auf eine uralte Tradition aus der Bibel zurück. Die Mönche des Mittelalters versuchten, ab Aschermittwoch vierzig Tage bis Ostern streng zu fasten, um in der Seele Platz zu schaffen für Gott. In dieser Zeit war Fleisch verboten, Fisch dagegen erlaubt. Ab dem 4. Jahrhundert galt diese Fastenregel in der westlichen Kirche für alle Christinnen und Christen, in der Orthodoxen Kirche kamen sogar noch weitere Fastentage dazu.

Für die Kaufleute der Hanse waren diese Fastenzeiten Gold wert. Der Ostseehering, eingelagert in Salz, wurde zum Exportschlager und führte zum Aufstieg der Hanse. Hering war die Fastenspeise der Massen. Und wer zu Fasching gezecht hatte, dem versprach er am nächsten Morgen Heilung. Heinrich Seidel schreibt: „Wer niemals einen Hering aß, wer nie durch ihn von Qual genas, wenn er mit Höllenpein erwacht, der kennt nicht seine Zaubermacht!“

Jesus von Nazareth soll mit zwei Fischen und fünf Broten einmal 5000 Menschen versorgt haben. Weil sie das, was sie dabeihatten, miteinander geteilt haben, so deute ich dieses Wunder. Den Hering finde ich als Fastenspeise wieder aktuell: Heutzutage sind vier Kilo Heringsmehl nötig, um ein Kilo Lachs zu produzieren. Ist das auf Dauer klug? Die Deutschen mögen ihn lieber, aber er hilft nicht so gut gegen Kopfschmerzen. Im Gegenteil: Ein Übermaß an Luxus-Fischen in der Fastenzeit hat schon Martin Luther Kopfzerbrechen bereitet.

Kontakt

Evangelische Kirche im NDR, Redaktion Schwerin
Dr. Matthias Bernstorf
Schliemannstraße 12a
19055 Schwerin
Tel.: Studio (0385) 34 31 85 60
Mobil: (01577) 35 21 531
Fax: (0385) 34 31 85 61
E-Mail: bernstorferr.de

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