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Greifswalder St.-Jacobi-Kirche

Nach 50 Jahren - Kupferspitze für den "Kleinen Jacob“

Die Fotomontage gibt einen Ausblick auf das neue Erscheinungsbild der Jacobikirche. Links das bestehende Ziegeldach, rechts die digital bearbeitete Ansicht mit dem geplanten Kupferdach.
09.06.2018 ǀ Greifswald.  Seit mehr als 50 Jahren wartet der Turm der Greifswalder St.-Jacobi-Kirche auf sein Kupferdach. Dank der Zusage von Fördermitteln des Bundes in Höhe von 350.000 Euro im Frühjahr 2017 kann die Kirchengemeinde im kommenden Jahr mit der Sanierung des Kirchturms beginnen.

Weitere Mittel kommen vom Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis, von Stiftungen, aus Spenden und von der Kirchengemeinde. Rund 700.000 Euro wird die Instandsetzung insgesamt kosten. „Das Dach des Turms und das Mauerwerk weisen erhebliche Schäden auf“, sagt Pastor Michael Mahlburg. Auch für Laien sind Schäden und bröckelnde Steine an zahlreichen Stellen erkennbar. So zeigen sich zum Beispiel deutliche Risse am Portal der Westseite. Die Turmspitze des „Kleinen Jacob“, wie die kleinste der drei gotischen Hauptkirchen von den Greifswaldern liebevoll genannt wird, besaß ursprünglich noch einen kleinen Fachwerkaufsatz, der 1955 einem Brand zum Opfer fiel. Zehn Jahre später erhielt der Turm im Jahr 1965 die heutige pyramidenförmige Spitze. Sie besteht aus Beton und ist derzeit mit Mönch-Nonne-Dachziegeln verkleidet.
 
Kupfer war in der DDR Mangelware
 
„Eigentlich war für die Betonspitze eine Kupferverkleidung vorgesehen, doch war zu der damaligen Zeit in der DDR kein Kupfer zu bekommen“, erklärt Michael Mahlburg das heutige Erscheinungsbild des Kirchturms. Da es aber noch alte Dachziegel in den Beständen der Kirche gab, wurde diese Lösung für die Eindeckung gewählt, die dann über die Jahrzehnte bis heute bestehen blieb. Die Ziegeleindeckung ist schwerer als die statisch berechnete Dacheindeckung für diese Betonkonstruktion, was aber nach Meinung der Sachverständigen vertretbar wäre. Hinzu kommt die sehr steile Neigung, mit der es bisher bei einer solchen Ziegeldeckung keine guten Langzeiterfahrungen gibt. Sie erschwert durch deutlich höhere Anforderungen die Ausführung. Baurechtlich ist es eine Fassadenbekleidung, bei der jeder Ziegel zweimal mechanisch befestigt werden muss. Das bestätigt auch André George, Baubeauftragter des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises. Es wird höchste Zeit für die Sanierung, schätzt André George ein.
 
Bei schweren Stürmen lösen sich Dachziegel
 
Der Kirchengemeinderat hat entschieden, bei der Instandsetzung des Turms die seit den 1960er-Jahren geplante Kupferdeckung umzusetzen. „Natürlich haben wir auch geprüft, ob eine Erneuerung der Ziegeleindeckung möglich ist“, so Pastor Michael Mahlburg. Dauerhaftigkeit, Sicherheit und Kostenfragen seien dabei berücksichtigt worden. Es gebe ein Gutachten aus dem hervorgehe, dass es zwar theoretisch machbar sei, wieder Dachziegel zu verwenden, dass dafür jedoch ein Befestigungssystem zur Anwendung kommen müsste, das bislang nicht in allen Teilen getestet und geprüft werden konnte. Erfahrungen oder Referenzobjekte für dieses System gibt es nicht. Hinzu kommt, dass aufgrund der bestehenden geschlossenen Betonkonstruktion eine Kontrolle oder Wartung des Ziegeldachs von innen nicht möglich ist. „Eine Vermörtelung auf der ganzen Fläche, wie es 1965 gemacht wurde, kommt vor allem deshalb nicht infrage, weil sich in der Vergangenheit die Unzulänglichkeit dieser Methode gezeigt hat, da sich bei jedem schweren Sturm Dachziegel lösten und herabfielen“, so Michael Mahlburg. „Der Kirchengemeinderat schließt sich mit seiner Entscheidung der Auffassung unseres Architekten an, der aufgrund der Neigung der Turmspitze die Mönch-Nonne-Ziegeldeckung bezüglich der Sicherheit für ein Wagnis hält. Und der Kirchengemeinderat folgt damit auch der Empfehlung des Baudezernats der Landeskirche.“
 
Neue Turmspitze passt sich in Stadtbild ein
 
Bezüglich der Kosten gehen die Planungen derzeit davon aus, dass die Kupferdeckung bis zu 50.000 Euro günstiger ist, als die mit vielen Fragezeichen versehene Ziegelvariante. Zudem war sich der Kirchengemeinderat darin einig, dass die Kupferspitze rein optisch für die Kirche und das Greifswalder Stadtbild ein Gewinn ist. „Das Kupferdach wird ein Blickfang werden und gut zum Dach des benachbarten Doms passen“, hieß es dazu aus dem Kirchengemeinderat. Mit der neuen Kupferspitze bleibt die ebenso bekannte wie beliebte historische Silhouette der Hansestadt erhalten und gleichzeitig wird sie einen dauerhaften und sicheren Schutz für den Turm des „Kleinen Jacob“ ermöglichen.
Quelle: PEK (sk)

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