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Was Kirchen über ihre Zeit erzählen, steht am Tag des offenen Denkmals im Fokus

Kleine Zeugen großer Brüche

Von Marion Wulf-Nixdorf und Christine Senkbeil

Aus der Everschen Grabkapelle in Kirch Stück wird ein Kolumbarium mit Platz für 30 Urnen. Am Tag des offenen Denkmals wird zu Führungen eingeladen
08.09.2019 ǀ Kirch Stück/Kandelin.  Eine Grabkapelle, die zur Urnenstätte wird. Abriss-Holz, aus dem Kunstwerke entstehen. Um Umwandlungen und Umbrüche geht es beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag.

„Taubenschlag“ nannten die alten Römer ihre kleinen Grabkammern, in denen sie ihre Urnen aufbewahrten. Die reihenweise übereinander angebrachten Fächer erinnerten sie wohl daran. „Kolumbarien“, so der Fachname für die Urnenfächer. Vor allem in südlichen Ländern sind sie schon lange fester Bestandteil der Begräbniskultur. Nun halten sie auch verstärkt im Norden Einzug – die Friedhofskultur ist im Wandel. Das erste Kolumbarium in Mecklenburg auf einem kirchlichen Friedhof entsteht derzeit in Kirch Stück bei Schwerin und soll Platz für 30 Urnen bieten.

Umbrüche sind in diesem Jahr auch das Thema des Tags des offenen Denkmals in Deutschland. Mehr als 7500 Denkmale zeigen am Sonntag, 8. September, „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ und richten den Blick auf revolutionäre Ideen und technische Fortschritte über die Jahrhunderte hinweg.

Kirch Stück in Mecklenburg ist dabei und zeigt die Eversche Kapelle, die zum Kolumbarium umgebaut wurde: ein Umbruch, der Architektur wird. „Das Kolumbarium ist eine Erweiterung unseres Bestattungsangebotes“, erklärt Jürgen Hansen, der Vorsitzende des Fördervereins der Kirche zu Kirch Stück. Der Grund: Der Friedhof soll weiter wirtschaftlich betrieben werden können. Nur mit den traditionellen Grabfeldern sei dies nicht mehr möglich, sagt er. Die Eversche Kapelle ist somit Zeitzeugnis der heutigen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Gegebenheiten.

Um Kunst geht es in der Kapelle Kandelin

Der Förderverein lädt am Denkmaltag nicht nur um 11, 13 und 15 Uhr zu Führungen in und um die Grabkapelle ein, sondern öffnet auch die Kirche St. Georg. Sie wurde im 14. und 19. Jahrhundert baulich verändert, dem Zeitgeist angepasst. Auch in den zurückliegenden Jahren flossen moderne Elemente ein, so die Lampen im Kirchenschiff und der neue Gemeinderaum im Turm.

Der Förderverein Kirchen und Kapellen der Kirchengemeinde Groß Bisdorf in Vorpommern hat eine kleine Kapelle im Dörfchen Kandelin ausgewählt, um sie an dem bundesweit begangenen Tag für Besucher zu öffnen. Der Akzent liegt hier auf der Kunst, die in spannungsvolle Korrespondenz mit dem Kirchenraum gebracht wird.

Umbrüche wörtlich betrachtet: Es ist der Werkstoff Holz, mit dem Holzbildhauer Dittmar Alexander aus Kreutzmannshagen arbeitet – und oft stammt es aus umgestürzten Bäumen oder vom Abriss von Gebäuden. Um 11 Uhr zeigt er seine Werke: „Jesus als Lebensbaum“ etwa. „Figuren zum Befassen“ ist sein Motto: „Fahrt doch mal mit der Hand darüber! Eine Figur im guten mittelalterlichen Sinn zu gestalten – Faltenwurf, Locken, Bart, das ist handwerklich sehr anspruchsvoll. Ich tendiere aber dazu, mit ganz sparsamen Mitteln eine möglichst große Aussage zu machen.“

Es ist das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz veranlasst hat, den Blick auf Umbrüche, Ideen und Fortschritte zu richten. Nicht nur auf große Gebäude fällt dabei der Blick. Zur Spurensuche nach kleinen Zeichen, die von großen Umbrüchen erzählen, laden die Kirchen im Land ein.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 36/2019

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