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30.000 Euro für St. Nikolai

Die "KiBa-Kirche des Monats Januar 2019“ steht in Stralsund

St. Nikolaikirche in Stralsund
05.01.2019 ǀ Stralsund/Hannover.  Die Stralsunder Hauptkirche St. Nikolai ist die erste „Kirche des Monats 2019“ der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (Stiftung KiBa) in diesem Jahr. Die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründete Stiftung fördert den Abschluss der Sanierungsarbeiten am Dach der mittelalterlichen Kathedrale mit 30.000 Euro.

„Ich liebe diese Kirche. Weil ich dort immer wieder etwas Neues entdecke. Man wird nie fertig“, sagt Pastor Dietmar Mahnke über „seine“ Kirche St. Nikolai in Stralsund. Seit knapp vier Jahren ist Mahnke an der Hauptkirche der Stadt tätig und er versteht die „große Verzückung“, in die die mittelalterliche Kathedrale ihre vielen Besucher immer wieder versetzt. Sein derzeitiger Lieblingsort ist eine kleine Kapelle mit Glasfenstern, die Johannes Schreiter gestaltet hat. „In dieser Atmosphäre fühlt man sich aufgehoben“.

In St. Nikolai ist die Gemeinde lebendig, sagt der Pastor, hier trifft man sich zum Reden, zum Beten, zum Gottesdienst - gleichzeitig kommen auch täglich Gäste von auswärts, die meisten der kunstgeschichtlichen Schätze wegen. Davon hat die 1276 erbaute „KiBa-Kirche des Monats Januar 2019" eine große Vielzahl. Ins Auge fallen als erstes die Zeichnungen und Malereien an den Wänden und Stützpfeilern des Gebäudes, aber auch der hölzerne Hochaltar aus dem 14. Jahrhundert, der rund zwölf Meter groß ist und einhundert geschnitzte Figuren zeigt. Ein besonderer Schatz befindet sich direkt dahinter: Die astronomische Uhr wurde 1394 vollendet und ist die älteste mechanische Uhr der Welt, die noch immer ihr ursprüngliches Räderwerk besitzt.

56 Altäre

Ursprünglich hatte St. Nikolai neben dem Hochaltar 56 weitere Altäre. Sie waren überall in der Kirche verteilt und dienten einzelnen Gewerken oder Familien. Erhalten sind davon heute zum Beispiel die Altäre der Bürgermeister, der Barbiere und der Schneider. Viele Bilder, Altäre und Kunstwerke wurden im April 1525 bei dem als „Stralsunder Kirchenbrechen" bezeichneten Bildersturm zerstört. Im November des gleichen Jahres wurde St. Nikolai evangelische Pfarrkirche.

Erhalt und Pflege der dreischiffigen Basilika sind große Herausforderungen; gerade sind die Gerüste für Instandsetzungsarbeiten in der Höhe abgebaut: Die Renovierung des achten und neunten Joch des Mittelschiffs und der Seitenschiffe ist abgeschlossen, berichtet Dietmar Mahnke. „Danach ist das letzte, das zehnte Joch an der Reihe", freut sich der Pastor. Dabei werden auch an dem dahinter liegenden nördlichen und südlichen Seitenschiff, und an den Obergadenfenstern letzte Handgriffe getan.

"Unglaublich engagiert"

Unterstützung erhält die Gemeinde durch den mehr als 400 Mitglieder zählenden „Förderverein St. Nikolai zu Stralsund". „Unglaublich engagiert" belobt der Pastor die Mitglieder des Vereins, die das Interesse an dem Gotteshaus und an der Notwendigkeit zu dessen Erhaltung wach halten. Und die immer wieder Gelegenheiten zum Spenden schaffen: Architekten bieten Führungen durch den Südturm und den Gewölbeboden an, ein Glockenexperte erklärt das Geläut, ein Vortrag widmet sich den Tierdarstellungen in der Kirche. Ein Modell von St. Nikolai mit Informationen steht im nördlichen Seitenschiff, Patenschaften für die Sanierung des Daches werden angeboten, ebenso Kalligrafie-Reproduktionen von Heiligen, die eine Stralsunder Künstlerin gefertigt hat - die Liste der Aktivitäten ist lang und abwechslungsreich. „Der Verein stemmt die wesentliche Arbeit zum Einwerben von Spenden - Gott sei Dank", sagt Dietmar Mahnke. 600.000 Euro kostet allein der derzeitige vorletzte Sanierungsschritt, insgesamt werden die Kosten ein Zehnfaches umfassen. Die Stiftung KiBa fördert das Projekt in diesem Jahr mit 30.000 Euro.

Der Pastor hofft, dass nach dem letzten Sanierungsschritt im kommenden Jahr alle Gerüste aus und um St. Nikolai verschwinden werden und Gemeindemitglieder wie Besucher den Kirchenraum wieder ganz für sich haben. Möglicherweise wird auch die prominenteste Stralsunderin vorbeikommen. Zumindest mittelfristig dürfte Angela Merkel jedenfalls ein bisschen mehr Zeit haben.
Quelle: EKD/kmv

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