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Ein Jahr nach dem Fest

Was vom Elan des Reformationsjubiläums geblieben ist

Die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum lenkten den Blick auch auf kirchenferne Besucher.
28.10.2018 ǀ Von Tilman Baier Am Ende des Gedenkjahres mit seinen unzähligen Veranstaltungen zum Reformationjubiläum schien es, als seien viele froh, es überstanden zu haben. Vor allem der Rückblick auf die Großveranstaltungen fiel kritisch aus. Und doch sind ein Jahr danach viele Impulse von dort sehr lebendig.

In ihrem Jahresrückblick 2017 resümierte die Wochenzeitung „Die Zeit“, dass es neben all den Krisen 2017 am Jahresende auch einige positive Ereignisse zu verzeichnen gäbe. Eines sei, dass wir nun das Gedenkjahr zum 500. Jahrestag des Reformationsbeginns einigermaßen unbeschadet überstanden hätten.

Auch jenseits dieser leicht bissigen Einschätzung fielen die Reaktionen auf das Festjahr nicht nur positiv aus: Zu teuer und dafür zu wenig Resonanz, mäkelten etliche. Die „Kirchentage auf dem Weg“ in Mitteldeutschland seien mit den Besucherzahlen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, ebenso die Weltausstellung zur Reformation in Wittenberg.

In seltener Einheit kam auch Kritik von evangelikaler Seite und von Universitätstheologen an den Großveranstaltungen wie dem Kirchentag in Berlin und Wittenberg: Zu sehr hätte dort die Unterhaltung im Vordergrund gestanden und nicht die Theologie Luthers, der Eventcharakter hätte den Gedenkcharakter in den Hintergrund gedrängt.

Offenheit gegenüber der evangelischen Kirche

Und wenn schon. War es nicht gut, dass gerade durch die Veranstaltungen mit Erlebnischarakter das Ereignis der Reformation und seine Bedeutung auch für unsere Gesellschaft heute wieder Thema in der Öffentlichkeit war? Wenn bei den Tausenden Schulaufführungen von Theaterstücken rund um die Reformation auch zum Entsetzen mancher Theologen längst begrabene Klischees des 19. Jahrhunderts wieder Auferstehung feierten – na und? Dies alles ist doch unwichtig im Vergleich zu den vielen positiven Ergebnissen, zu denen auch Begegnungen mit neu interessierten Kirchenfernen gehören.

So erzählte ein Mecklenburger Kleinstadtpastor von den gemeinsamen Vorbereitungen einer Ausstellung zum Reformationsfest mit Schülern und Mitarbeitern der Stadt. Dabei habe einer der Handwerker, kein Kirchenmitglied, gefragt: „Was ist das denn, diese Rechtfertigung? Ich muss mich auch immer vor meiner Frau rechtfertigen.“ Das sei eine seltene Steilvorlage für ihn gewesen. „Wenn dich deine Frau aber trotz des Blödsinns, den du verzapft hast, in den Arm nimmt, dann ist das das, was Luther mit Rechtfertigung aus Gnade meint.“

Von solch einer neuen Offenheit gegenüber der evangelischen Kirche berichten auch andere. So hebt auf die Frage, was von den Impulsen des Reformationsjubiläums ein Jahr danach noch lebendig ist, der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit die verbesserten Beziehungen zur katholischen Kirche hervor. „Die Teilnahme des Papstes an dem Festgottesdienst zur Eröffnung des Reformationsjubiläums in Lund hat viel bewirkt.“ Dies strahle bis an die katholische Basis, wo Luther nicht mehr als „gefährliches Terrain“ gelte.

Impulse an der Gemeindebasis

Auch an der Gemeindebasis gibt es etliche Impulse des Reformationsjubiläums, die weiter wirken. Propst Dirk Sauermann aus Parchim betont, es gebe ein neues öffentliches Bildungsinteresse im Blick auf Wesen und Botschaft der evangelischen Kirche. So habe es eine Anfrage vom heimischen Fritz-Reuter-Verein gegeben, ob nicht ein Pastor etwas über die Reformation erzählen könne.

„Dieses neue Interesse hat auch damit zu tun, dass wir selbst verstärkt darüber nachgedacht haben, wer wir sind als evangelische Kirche, woher wir kommen und wohin wir gehen wollen“, sagt Sauermann. Es sei eine „schöne Entwicklung“, dass neue gemeinsame Veranstaltungen von Gemeinden und anderen Trägern entstanden sind.

Zentrale Gottesdienste im vergangenen Jahr hätten die Akzeptanz für gemeinsame Veranstaltungen erhöht, betont der Parchimer Propst. Man habe erkannt, wie wichtig es ist, auch Menschen außerhalb der Gemeinde im Blick zu haben. Menschen außerhalb der Gemeinde hat auch Landesbischof Gerhard Ulrich beim Reformationsempfang der Nordkirche am 31. Oktober in Greifswald im Blick. Das Thema seines Vortrages dort lautet: „Wie bekommen wir eine gnädige Gesellschaft?“.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 43/2018

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