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Pilgern auf neuen Wegen

Die Route der Via Baltica soll in Althof und Bad Doberan geändert werden

Von Tilman Baier

Die Kapelle von Althof erinnert an die erste Klostergründung in Mecklenburg und soll in Zukunft zur Einkehr auf dem Pilgerweg Via Baltica einladen.
12.08.2018 ǀ  Bad Doberan.  Pilger, die auf der Via Baltica westlich von Rostock unterwegs sind, sollen in Zukunft eine leicht veränderte Route laufen. Das sieht eine Initiative des Vereins Deutsche St.-Jakobus-Gesellschaft vor. Denn bisher führt der mit der Jakobsmuschel gekennzeichnete Weg in einiger Entfernung an der Kapelle zu Althof wie am Doberaner Münster vorbei, die doch wichtige und inspirierende Etappen für Pilger sein können.

Bisher führte die Route des baltisch-westfälischen Pilgerweges südöstlich von Bad Doberan vom Hütter Wohld zum Bahnhof Althof, ohne den kleinen Ort Althof selbst mit seiner Kapelle und der Klosterscheune zu berühren. Das möchte der Verein Deutsche St.-Jakobus-Gesellschaft ändern, denn Althof ist für die regionale Kirchengeschichte ein bedeutsamer Ort.

So stand hier eine der ersten Kirchen des Landes. Errichten ließ sie 1164 der Obodritenfürst Pribislaw. Er war nach der verlorenen Schlacht von Verchen am Kummerower See gegen die Truppen des Sachsenherzogs Heinrich der Löwe zum Christentum übergetreten und hatte das slawische Heiligtum zerstören lassen, das sich an diesem Ort befand.

Ein paar Jahre später, 1171, gab Bischof Berno die Erlaubnis, hier das erste Kloster des Landes zu errichten. An der Auswahl des Ortes soll die Fürstin Woizlawa, Frau von Pribislaw, einen entscheidenden Anteil gehabt haben, die in der Klosterkirche auch ihre Grablege hatte. Es waren Zisterziensermönche aus Amelungsborn im Weserbergland, die hier ins Hinterland der Ostseeküste ansiedelten, um das Land zu christianisieren und urbar zu machen. Doch es bestand nur acht Jahre bis zum Tod von Pribislaw. Im dann ausbrechenden Aufstand slawischer Gegner von Christianisierung und Kolonisierung wurde das Kloster zerstört und alle 78 Mönche getötet.

1186 wurde das Kloster rund drei Kilometer weiter nördlich in der Nähe des slawischen Dorfes Doberan neu gegründet. Doch auch der Standort des ersten Klosters wurde wieder aufgebaut – als Wirtschaftshof mit Mühle und Scheunen. Auch die erste Klosterkirche bekam hier im 14. Jahrhundert eine Nachfolgerin, die bis heute mit Veränderungen aus dem 19. Jahrhundert erhalten ist. Von den Wirtschaftsgebäuden stehen allerdings nur noch die 45 Meter langen Außenmauern einer Scheune. Umgeben ist die Kapelle von hohen Bäumen, die zu einer Rast einladen.

Besser Waldwege statt Kreisstraße

Der Pilgerweg, der sich auf Usedom an den baltischen und polnischen Abschnitt der Via Baltica anschließt und über Greifswald, Rostock, Wismar, Lübeck, Hamburg und Bremen nach Westfalen führt, soll ebenso auch in Doberan eine leichte Routenänderung bekommen. Auch hier ist der Verein im Gespräch mit der Kirchengemeinde. Von Althof aus führt der Weg bisher zwar ins Klostergelände, jedoch nicht bis vors Münster.

Zudem gibt es seit 2016 auch im Doberweg eine Pilgerherberge, die von der bisherigen Route außer Acht gelassen wird. Vorbei am Münster werden die Pilger dann bis zur Mollistraße geführt und ziehen dann weiter in Richtung Hohenfelde.

Gespräche führt der Verein gegenwärtig auch mit der Landesforstbehörde. Denn ebenso soll auch der Weg von Doberan Richtung Südwesten nach Retschow verändert werden – weg von der Kreisstraße 6 auf Waldwege. Die Schilder mit der Jakobsmuschel sollen dann, wenn die Absprachen erfolgreich beendet worden sind, umgesetzt werden.


Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 32/2018

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