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Der Trompetenmacher

Michael Münkwitz leistet Blasinstrumenten Erste Hilfe, als einer der Letzten seiner Art

Von Tilman Baier

Begehrt in aller Welt ist dieser Nachbau einer „Birckholtz“-Langtrompete von 1650 durch Michael Münkwitz. Das Original entdeckte er auf Hinweis des Rostocker Kantors Hartwig Eschenburg in der Dorfkirche Belitz. Dafür bekam Münkwitz 2016 den Bayerischen Staatspreis.
30.12.2018 ǀ Rostock.  Was wäre das Weihnachtsoratorium ohne die strahlenden Stimmen der Bachtrompeten? Sie kündigen den Einzug des himmlischen Königs auf der Erde an und jauchzen und frohlocken schon, bevor der Chor mit diesen Worten einsetzt. Ein Meister der Trompete ist der Rostocker Michael Münkwitz. Wir haben ihn in seiner Werkstatt besucht.

Im Schraubstock ist eine Tuba eingespannt, der gerade eine Delle entfernt wird. An der Seite lagert goldfarbiges Blech, in einer wohl nur dem Profi erschließbaren Ordnung liegen diverse Werkzeuge auf der Werkbank, während auf einem Regal verbeulte Posaunen auf ihre Reparatur warten. Es ist die Werkstatt des Rostocker „Handwerksmeisters im Metall- und Holzblasintrumentenbau“, so lautet der offizielle Titel von Michael Münkwitz, der auch eine Fachschulausbildung zum Instrumentenrestaurator in der DDR absolviert hat.

Bekannter ist er weit über norddeutsche Bläserkreise hinaus unter dem knappen Titel „Trompetenmacher“, wie auch die Adresse seiner Internetseite lautet. Denn er gehört in Deutschland zu den Letzten seiner Zunft, die Blasinstrumente nicht nur reparieren oder aus vorgefertigten Teilen zusammensetzen, sondern alle Teile selbst herstellen können. Für seine erste handgefertigte Trompete brauchte Michael Münkwitz fünf Jahre. Heute rechnet er mit einer guten Woche – der Preis liegt entsprechend bei etwa 2000 Euro. Dafür ist aber auch alles, wirklich alles auf den jeweiligen Musiker und seine Wünsche abgestimmt.

Zwar sind die meisten Instrumente aus den Manufakturen im vogtländischen Musikwinkel günstiger zu haben, aber dort würden einzelne vorgefertigte Teile wie das Mundstück oder die Ventile verwendet – von der Fabrikware aus China einmal ganz abgesehen, erklärt Münkwitz. Allerdings gehört zu dieser Handarbeit „made in Rostock“ auch eine ausgedehnte Reisetätigkeit. Um seine Kunden unter den Profi-Musikern zu halten und neue zu gewinnen, fährt der Trompetenmacher auch rund um die Welt, ist präsent auf Instrumentenmessen in den USA oder Ostasien.

Im Winter häufen sich die Notfälle

Es ist also gar nicht so einfach, Michael Münkwitz in seiner Werkstatt zu erwischen. Trotz der Wegbeschreibung auf der Homepage ist es ein bisschen kompliziert, die Werkstatt im Gewerbegebiet an einer der westlichen Ausfallstraßen Rostocks zu finden. Ehe man sich versieht, ist man schon dran vorbeigefahren. Dabei ist die Halle blau angestrichen, als Markenzeichen hängt eine Tuba an der Wand.

Auch wenn das Geschäft „extrem schwankend ist“, wie Münkwitz betont, hat er in den vergangenen Wochen des Jahres meist mehr als genug in seiner Werkstatt zu tun: „Im November und Dezember häufen sich die Notfälle“, erzählt er. Denn bei den vielen Bläsermusiken, die zurzeit in Kirchen und auf Weihnachtsmärkten stattfinden, bleiben Blessuren an den Instrumenten nicht aus. Auch aus Bremen, Hamburg, Magdeburg oder Frankfurt an der Oder werden ihm „Patienten“ gebracht, meist mit der Bitte, hier schnell Abhilfe zu schaffen.

Wie zur Bekräftigung seiner Worte kommt eine Kundin herein, unter dem Arm ein Karton mit Jagdhörnern. Seit etlichen Jahren betreut die Landwirtin Ines van den Berg-Redepenning im Raum Rostock Gruppen, in denen Kinder- und Jugendliche das Jagdhornblasen erlernen. „Bei den Kleineren ist es weniger das Jagdbrauchtum, das fasziniert, sondern das Musikmachen an sich“, meint sie. Statt „Die Sau ist tot“ werden „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ und andere Kinderlieder gespielt.

Blessuren haben auch diese Instrumente in den zurückliegenden Monaten erlitten, Michael Münkwitz solle sich doch ihrer erbarmen. Gleichzeitig bittet sie, Augen und Ohren offen zu halten, ob es nicht noch weitere Sponsoren für diese Arbeit gibt. Denn es gebe nun einmal für diese Art der Kinder- und Jugendarbeit, anders als der Unterricht an den Musikschulen, keine Unterstützung vom Landkreis. Und manche der Eltern könnten oder wollten nicht den Obolus für Unterrichtsstunden und die Instrumentenausleihe bezahlen. Michael Münkwitz nickt, er will sich umhören. Dann setzt er einige der Jagdhörner an, bläst zur Kontrolle – und stellt den Karton zu den anderen reparaturbedürftigen Instrumenten.

Neue Freiheiten ausprobiert

Immer wieder klingelt das Telefon mit Anfragen nach Reparaturterminen. Dabei lässt er es, seitdem er seinen 60. Geburtstag hinter sich gelassen hat, im Vergleich zu früher etwas ruhiger angehen, sagt er. Vor allem nach der Wende hatte der gebürtige Leipziger Pastorensohn sich mächtig ins Zeug gelegt und die neuen Freiheiten ausprobiert: 1990 organisierte er das erste Festivals für Alte Musik in Rostock mit Konzerten, Ausstellungen, Kursen und internationaler Fachtagung von Musikinstrumenten- Restauratoren, woraus das Forum Alte Musik Rostock entstand.

1996 startete er die eigene Veranstaltungsreihe „Das besondere Konzert“ und schaffte es, renommierte Künstler aus dem In- und Ausland dafür zu gewinnen wie Ludwig Güttler, Reinhold Friedrich, Jean-Francois Madeuf, Friedemann Immer, Jan Vogler, das Duo Labèque. Sein wohl größtes Projekt war das „Klassik open air“ im Schlosspark Prebberede mit Feuerwerk, Picknick, Jazz, Klassik, Kleinkunstfestival, Kinderprogramm, das er von 1996 bis 2012 leitete.

Inzwischen konzentriert er sich wieder auf die Instrumente, veranstaltet jährliche Trompetenbau- Workshops in Europa und den USA. Und er ist immer wieder gern gesehener Gast am Kilimandscharo. Denn seit einem guten Vierteljahrhundert wird Michael Münkwitz für drei, vier Wochen im Jahr zum „fundi tarumbeta“, wie sie ihn in den Partnergemeinden Mecklenburgs in den Pare- Bergen Tansanias rufen, eben zum „Trompetenmacher“.

Wenn er dort eintrifft, warten schon kartonweise Instrumente auf ihn, darunter Opfer von LKW-Reifen oder mit Gartenschlauch geflickte Überreste, bei denen es schwerfällt, sie überhaupt noch als Instrumente zu erkennen. Doch meist schafft er es, sie wiederzubeleben – zur Freude der dortigen Posaunenchöre. Eine bessere Werbung als diese Instrumente gibt es nicht: Denn wer sie wieder zum Leben erweckt, der bekommt jedes Instrument repariert.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 51/52/2018

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