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Im Gespräch: Andreas von Maltzahn scheidet aus Bischofsamt

"Kirche nicht auf eine Wertevermittlungsagentur reduzieren"

Bischof Dr. Andreas von Maltzahn
30.04.2019 ǀ Schwerin.  Seit September 2007 war Andreas von Maltzahn (57) evangelischer Bischof in Schwerin, zunächst als mecklenburgischer Landesbischof und dann, seit Gründung der Nordkirche zu Pfingsten 2012, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. Am 1. Mai übernimmt er eine neue Aufgabe als Studienleiter im Predigerseminar der Nordkirche in Ratzeburg.

Wie geht es Ihnen so kurz vor dem Ende Ihrer Bischofszeit und dem Neuanfang im Predigerseminar?

Maltzahn: Ich bin im Reinen mit dem, was jetzt kommt. Ein Spannungsbogen geht zu Ende. Ich spüre Erleichterung. Zugleich ist es jetzt eine intensive Zeit, emotional wie auch arbeitsmäßig. Auf die neue Arbeit mit den angehenden Pastorinnen und Pastoren freue ich mich, auch zu einem guten Teil darauf, wieder ein Lernender zu sein.

Wie haben Sie die Zeit in der Nordkirche erlebt, als Sie einer von fünf Bischöfen waren?

Maltzahn: Ich habe sehr gern im Bischofsrat gearbeitet, weil es gut tut, geistliche Leitung in Gemeinschaft wahrzunehmen, weil Lasten verteilt werden konnten. Beispielsweise war klar, dass in erster Linie der Landesbischof zu aktuellen politischen Ereignissen spricht.

Angesichts abnehmender Kirchenmitgliederzahlen kommt immer mal wieder die Frage auf, ob Kirchengebäude nicht besser abgegeben, verkauft werden sollten. Wie denken Sie darüber?

Maltzahn: Die Kirchen in Mecklenburg stehen meist unter Denkmalschutz. So gut wie niemand interessiert sich dafür, eine Dorfkirche zu kaufen. Gleichzeitig haben wir sehr positive Erfahrungen mit Kirchbaufördervereinen gemacht. Dazu gehört, dass auch Nichtchristen ein Gespür dafür haben, dass die Kirche die innere Mitte des Ortes ist und mit der Kirche etwas Entscheidendes verloren ginge. Dieses Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft. Allerdings muss bei geringer werdenden Ressourcen darüber nachgedacht werden, wie Entlastungen von Erhaltungsaufgaben bewerkstelligt werden können. Das kann im Einzelfall auch heißen, eine Kirche einer anderen Nutzung zuzuführen.

In Mecklenburg-Vorpommern wird derzeit um eine Reform des Landesbestattungsgesetzes gerungen. Was liegt Ihnen da besonders am Herzen?

Maltzahn: Ich bin überzeugt, dass gemeinschaftliche Orte der Trauer benötigt werden. Wir brauchen in unseren Dörfern und Städten Orte, die uns an unsere Sterblichkeit erinnern. Wenn eine Urne im Garten beigesetzt werden darf, was ist dann, wenn der Garten nicht mehr mir gehört? Was ist bei Umzügen?

Sie haben immer wieder betont, dass die Kirche auch die Konfessionslosen im Blick haben muss. Was ist Ihnen da wichtig?

Maltzahn: Gute Kontaktmöglichkeiten zu schaffen, miteinander zu reden ist wichtig. Doch nicht immer genügt das, um gegenseitige Vorurteile abzubauen. Um sich neu zu entdecken, ist ein forciertes Miteinander auf einem dritten Feld hilfreich, wie beispielsweise bei den Tagen ethischer Orientierung, in Bündnissen für Demokratie und Toleranz oder in der Flüchtlingsarbeit. Dies soll ohne Vereinnahmung oder gar Überwältigung geschehen. In diesem Dialog werden wir zugleich nicht verschweigen, was uns von Gott her Lebensinhalt ist und Kraft gibt. Denn Kirche darf nicht auf eine Wertevermittlungsagentur reduziert werden. Sie hat vielmehr die Aufgabe, die Frage nach Gott wachzuhalten und Menschen bei ihrer Suche nach Sinn und Wahrheit gut zu begleiten.

Sie haben auch darauf hingewiesen, dass die Armen in den Gemeinden sichtbar präsent sein sollen.

Maltzahn: In Zeiten verschämter Armut ist das besonders wichtig. Es kann bedeuten, mit ihnen zu leben oder gemeinsam mit ihnen Projekte zu entwickeln, in denen sie ihre Würde neu erfahren. Ein schönes Beispiel dafür ist eine Neubrandenburger Initiative von jungen christlichen Familien, die bewusst in das Plattenbaugebiet Datzeberg zogen, um das Leben mit den Menschen dort zu teilen. Eines ihrer Projekte heißt "schall.platte", der Chor vom Datzeberg. Dieser Chor gibt Menschen buchstäblich ihre Stimme wieder. Menschen, die Tag für Tag auf Ämtern erfahren, dass sie nicht gebraucht werden, erleben Gemeinschaft, geben Konzerte und entwickeln so Zutrauen zu ihren Fähigkeiten.
Quelle: epd

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