Nach oben

Gedenkgottesdienst

Bischof Abromeit würdigt Widerstandskämpfer von Oertzen

Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit (l.) und Henning von Buchwaldt, der letzte in Rattey geborene Nachfahre von Hans-Ulrich von Oertzen.
20.07.2019 ǀ Rattey/Woldegk.  In der Versöhnungskirche von Rattey (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) ist am Sonnabend mit einer Gedenkfeier an den NS-Widerstandskämpfer Hans-Ulrich von Oertzen (1915-1944) erinnert worden. Der Generalstabsoffizier gehörte zu den militärischen Widerstandskämpfern vom 20. Juli 1944 um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Am Tag nach dem missglückten Attentat nahm sich der 29-Jährige vor dem Eintreffen der Gestapo mit einer Handgranate das Leben. Von Oertzen hatte einen Teil seiner Jugend auf Gut Rattey verbracht.

Das Zeichen, das die Männer des 20. Juli und ihre unterstützenden Frauen gesetzt hätten, sei auch weiterhin eine Verpflichtung, sagte der Greifswalder Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit in dem Gedenkgottesdienst. Vor Gott sei es nicht zu verantworten, die Menschenrechte für bestimmte Menschen außer Kraft zu setzen. "Völkisches Denken ist und bleibt unchristlich." Von Oertzen habe sich mit der Frage gequält, ob man sich aus christlich-ethischen Gründen an einem gewaltsamen Widerstand beteiligen dürfe. Ein Militärgottesdienst am Pfingstmontag 1944 habe ihm den Weg gezeigt.

Bischof Abromeit nannte es in der Predigt „auffällig, dass in dem Kreis der Widerständler viele in der Zeit der Vorbereitung von Attentat, Umsturz und bei der Überlegung, wie nach Hitler und dem Nationalsozialismus ein neuer Anfang gemacht werden kann, wieder neu nach dem christlichen Glauben fragen.“ Der Nationalsozialismus sei als Gegenentwurf zum Christentum begriffen worden, die „völkische Religiosität“ der sogenannten „Deutschen Christen“ als Sündenfall gewertet. Der Bischof sagte auch in Richtung aktueller rechtspopulistischer Strömungen, die die Widerstandskämpfer des 20. Juli für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen: „Eine patriotische Grundhaltung war diesen konservativ gesonnenen Männern selbstverständlich. Der Einfluss des christlichen Glaubens unterscheidet aber diese Vaterlandsliebe von jedem Nationalismus und allem völkischen Denken.“ 

Veranstalter der Gedenkfeier war Henning von Buchwaldt, der letzte in Rattey geborene Nachfahre von Hans-Ulrich von Oertzen. Damit wollten er und seine Frau an ihren Großonkel erinnern. "Versöhnungskirche" wurde die Feldsteinkirche in Rattey 1992 benannt, als die erste Gedenkveranstaltung für Oertzen stattfand. Damals enthüllte Landesbischof Christoph Stier im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eine Gedenktafel für den Widerstandskämpfer.
Quelle: Bischofskanzlei Greifswald/epd

Diese Website verwendet Cookies und die Webanalyse-Tools Matomo und Google Analytics. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden.Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es auf der Seite Datenschutz.