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Jonas Löffler, Andreas Uhlig und Karsten Wolkenhauer im Porträt

Drei neue Pastoren im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis

v.l.: Jonas Löffler, Karsten Wolkenhauer, Bischof Abromeit und Andreas Uhlig
14.06.2018 ǀ Greifswald.  Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit ordiniert am Sonntag (17. Juni, 14Uhr) im Greifswalder Dom Jonas Löffler (Semlow-Eixen), Andreas Uhlig (Greifswald) und Karsten Wolkenhauer (Demmin). In dem Festgottesdienst segnet der Greifswalder Bischof die drei Theologen in den Dienst und erteilt ihnen damit das Recht, öffentlich zu predigen und die Sakramente zu spenden.

"Gott beruft Menschen in seinen Dienst, indem er auf persönliche Weise in ihr Leben tritt", sagte Abromeit im Vorfeld. Jeder der drei Pastoren habe seine eigene Geschichte mit Gott. Es sei bewegend zu sehen, wie Gott einem jungen Menschen klar mache, dass er ihn braucht. Oft werde erst im Rückblick auf die eigene Biografie deutlich, "wie durch bestimmte lebensgeschichtliche Weichenstellungen der Weg zum Verkündiger des Evangeliums vorbereitet wurde". Die Nordkirche sei dankbar, diese drei neuen Pastoren mit dem Predigtdienst beauftragen zu können.

Jonas Löffler, Pastor in Semlow-Eixen

Jonas Löffler wurde 1984 im schwäbischen Waiblingen geboren. Zusammen mit vier Geschwistern wuchs er auf dem Hof seiner Eltern auf und musste früh schon mit anpacken. "Meine Eltern gehörten zu den ersten, die einen Biolandhof führten", erzählt er. Sein Großvater war als Landwirt Leiter einer Gemeinde der landeskirchlichen Gemeinschaft, in die Jonas Löffler hineinwuchs. Am Sonntagabend besuchte er die "Stund", eine Bibelstunde, er spielte im Posaunenchor der Kirchengemeinde und war schon bald Jungscharleiter. An Naturwissenschaften interessiert, wollte er ursprünglich Ingenieur werden. Nach seinem Abitur lebte und arbeitete er im Rahmen seines Zivildienstes ein Jahr mit in einer evangelischen Kommunität im Lebenszentrum Adelshofen. "Bei einem Seminar zum Thema berufliche Zukunft wurde mir klar, dass mein Herz eigentlich für die Gemeindearbeit schlägt und ich das zum Beruf machen möchte, was mir schon immer das Wichtigste war: Gottes gute Botschaft weiterzugeben", erzählt der 33-Jährige. Zunächst machte er vier Jahre lang eine Ausbildung zum Gemeindepädagogen am Theologischen Seminar Adelshofen. Dort lernte er auch seine Frau kennen.

In Adelshofen entdeckte er seine Leidenschaft für den Fußball. "Luft dazu hatte ich erst, als ich von zu Hause weggezogen bin. Nachdem die Adelshofener mit mir aufgestiegen sind, wurde ich umgehend zum Maskottchen erklärt", erzählt er. Fußball ist bis heute für ihn ein Weg, um mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen. Auch während seines Studiums und Vikariats spielte er im Fußballverein: "Bei meinem Abschlussgottesdienst im Vikariat standen die Fußballer Spalier, auch wenn sie sonst keine Kirche betreten. Da entstehen schnell auch seelsorgerliche Kontakte."

Nach seiner Ausbildung in Mission und Gemeindepädagogik wollte er tiefer in theologische Fragen einsteigen. In Rostock und Greifswald studierte er evangelische Theologie. In Rostock engagierte er sich beim Verein Fischkutter, der in Kooperation mit der Kirchengemeinde Toitenwinkel Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien unterstützt. Sie bekommen ein warmes Mittagessen und können auf dem Bolzplatz kicken, auf einem kleinen Spielplatz spielen und an einem Ferienprogramm teilnehmen.

Während seines Vikariats in Joldelund (Kirchenkreis Nordfriesland) von 2015 bis zum Mai dieses Jahres war es sein Anliegen, mit verschiedenen Aktionen, "Menschen zusammen zu bringen, die eigentlich wenig miteinander zu tun haben." So interviewten junge Erwachsene aus der Gemeinde Seniorinnen und Senioren zu ihren Erfahrungen in der Kriegs- und Nachkriegszeit und machten ein Heft daraus. Beim Abschlussgottesdienst zum Thema Erinnerung tauschten Konfirmanden mit über 80-Jährigen Erinnerungen an ihre jeweilige Kindheit aus.

Seit dem 1. Juni ist Jonas Löffler nun Pastor der Kirchengemeinde Semlow-Eixen. Die Familie mit zwei Kleinkindern fühlt sich landschaftlich "wie im Paradies". Jonas Löffler: "Ich möchte erst einmal schauen, was es hier alles schon gibt, was da ist an Ideen. Wichtig ist mir, dass auch diejenigen, die nicht christlich aufgewachsen sind, an kirchliche Angebote anknüpfen können. Verkündigung bedeutet für mich auch, Menschen etwas zuzutrauen, weil Gott sie liebt. Auch einen Neuanfang."

Andreas Uhlig, Pastor an der Christuskirche Greifswald

Seit dem 1. April ist Andreas Uhlig Pastor an der Christuskirche in Greifswald. Er wurde 1984 im ukrainischen Odessa geboren und wuchs auf in Iljitschewsk, dem heutigen Tschornomorsk. Seine deutsche Großmutter war als Kind aus dem Sudentenland zusammen mit ihrer Mutter verschleppt worden. Vor der Wende konnte Religion nur in den eigenen vier Wänden gelebt werden, die deutschen Wurzeln mussten versteckt werden. Heimlich ließ die Mutter von Andreas Uhlig ihn und seinen Bruder von einem orthodoxen Priester taufen. Das änderte sich nach der Wende Anfang der 1990er Jahre rasch: "Erstmals trafen sich Frauen mit deutschen Wurzeln in einem Frauenkreis. Gleichzeitig entstand mit großer Unterstützung der bayerischen Landeskirche in Odessa eine evangelisch-lutherische Gemeinde. Das war besonders für meine Großmutter sehr befreiend: Vorher musste sie ihre Wurzeln ja immer verheimlichen, an ihre Tür wurden auch manchmal Hakenkreuze geschmiert."

Unmittelbar, nachdem er in der Ukraine mit 17 Jahren sein Abitur gemacht hatte, wanderte die Familie mit dem Status als Russlanddeutsche aus. Der Anfang sei sehr hart gewesen, erinnert er sich: Ohne jede deutsche Sprachkenntnis begann er am Gymnasium in Malchow die 11. Klasse. Halt fand die Familie in der Kirchengemeinde: Seine Mutter fand als Musiklehrerin dort bald eine Anstellung als Organistin, ihre beiden Söhne spielten Gitarre und Trompete im Gottesdienst. Für Uhlig war bald klar, dass er Pfarrer werden würde. "In der Ukraine wusste ich gar nicht, was Theologie ist und dass man das studieren kann", erzählt er. 2005 begann er in Rostock, Theologie zu studieren und lernte dort seine Frau, eine Umweltingenieurin, kennen. Die beiden haben ein Kind. "Fasziniert hat mich vor allem das Alte Testament: Gottes Weg mit uns, der wie ein roter Faden vom Bundesschluss mit seinem Volk Israel bis zum neuen Bund im Kelch des Abendmahls führt, der ein Bund ganz in Liebe ist", sagt er.

Sein Vikariat hat Andreas Uhlig an der Jacobikirche in Greifswald absolviert. "Ich feiere sehr gerne Gottesdienste", erzählt er. "Dabei spielt die Musik eine große Rolle. Ich singe gerne die gesamte Liturgie. Musik kann das religiöse Erleben unterstützen und intensivieren. Musik spricht Gefühle an und drückt sie auf eine andere Art und Weise aus, als es die Worte tun. So kann sie die Wirkung der Verkündigung vertiefen."

Karsten Wolkenhauer, Pastor in Demmin

Im Westharz wuchs Karsten Wolkenhauer auf. "Ich bin quasi im Kirchengebäude großgeworden", erzählt der 51-Jährige. Sein Vater war Laienprediger einer Baptistengemeinde, die Mutter später Gemeindeleiterin. Karsten Wolkenhauer studierte zunächst an der Kirchlichen Hochschule in Berlin Theologie. "Ich begann 1989 mit meinem Studium. Das war eine tolle Zeit: Die neuen Kommilitonen, die plötzlich in den Vorlesungen saßen, setzten sich ganz anders mit der Zivilgesellschaft auseinander. Für sie war klar, dass jeder theologische Inhalt eine öffentliche Relevanz hat. Das hat auch mein Verständnis von Kirche geprägt."

Um sein Studium zu finanzieren, jobbte er im Berliner Kunstauktionshaus Villa Grisebach. "Da meine Aufgabe war, ersteigerte  Bilder zu verschicken, hatte ich tatsächlich so einige der großen Werke der klassischen Moderne in meinen Händen." Er beendete sein Theologiestudium in Heidelberg mit dem Diplom. Einen Bruch mit den Baptisten hat es nicht gegeben, ökumenischen Weite ist und bleibt mir wichtig." Seine freikirchlichen Wurzeln kommen heute noch in seinen Gottesdiensten zum Tragen: "Ich frage zum Beispiel nach den Abkündigungen, ob jemand noch ein Anliegen hat, für das wir beten können. Ich schätze lebendige Gottesdienste, bei denen die Gemeindeglieder nicht nur Gasthörer sind", erzählt Wolkenhauer schmunzelnd. Nach seinem Studium beriet er fast ein Jahrzehnt als Unternehmens- und Personalberater verschiedene Wirtschaftsunternehmen. Karsten Wolkenhauer erzählt: "Es ging meist darum: Was genau ist das Problem, und wie könnte die Lösung aussehen? Schnell war mir klar: Die Informationen dazu sind meist vorhanden, und an mir liegt es, dass sie ans Licht kommen. Für andere Lösungen zu finden, hat mir viel Spaß gemacht." An seinem Wohnort, dem Berliner Stadtteil Niederschönhausen, arbeitete er ein dreiviertel Jahr als Gemeindetheologe in der Kirchengemeinde mit. Eine halbe Pfarrstelle war vakant, und die Gemeinde benötigte Unterstützung. "Plötzlich stand ich da im Talar vor der Gemeinde - so bin ich evangelisch-lutherisch geworden", erzählt Wolkenhauer.

Von 2013 bis 2015 war er im Kirchenamt der EKD in Hannover persönlicher Referent der Präses Irmgard Schwaetzer und des Präsidiums der Synode der EKD. "Hier lernte ich Kirche als kirchenpolitischen Akteur in der Zivilgesellschaft kennen. Und ich durfte mitarbeiten beim Prozess zum sogenannten Verbindungsmodell, also der engeren Verzahnung von EKD (Evangelischer Kirche in Deutschland), VELKD (Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland) und UEK (Union Evangelischer Kirchen). Es war beeindruckend, zu sehen, wie die Vertreter zwar durchaus leidenschaftlich ihre Positionen verteidigt haben, doch letztlich aufeinander zugegangen sind und sich die Hand gereicht haben."

Nach einem Vikariat in Stralsund und Prohn (bei Stralsund) ist Karsten Wolkenhauer seit Februar Pastor an der Kirche St. Bartholomaei in Demmin. In dem Ort, in dem sich zu Kriegsende mehr als 1.000 Einheimische und Flüchtlinge das Leben nahmen, möchte der Pastor dieses Trauma auf verschiedene Weise thematisieren, so dass Erinnerungen heilen können. "Mir liegt daran, von der anlassbezogenen Fixierung auf den 8. Mai wegzukommen und die besondere Geschichte Demmins als biographisches und seelsorgerliches Thema zu begreifen. Wie können die Erinnerungen heilen?" Aktuell hat er dazu eine Veranstaltungsreihe initiiert, bei der Psychologen, Theologen, Historiker und Künstler sprechen. Referiert haben bereits der ehemalige Pfarrer der Dresdner Frauenkirche Holger Treutmann und der Psychosomatiker Philipp Kuwert aus Greifswald. Aus seinen bisherigen Berufserfahrungen hat Karsten Wolkenhauer gelernt: "Profil tut einer Gemeinde gut. Demmin als Symbol für Versöhnung - das könnte ein wegweisendes Profil sein." Dem verheirateten Vater von drei Teenagern liegt viel daran, dass Kinder und Jugendliche Kirche als Heimat erleben können.

Quelle: Bischofskanzlei Greifswald


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