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Arbeit mit Frauen in den Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern

Andacht


Andacht zum Weltgebetstag aus Slowenien 2019

Ein Festmahl steht an. Vieles ist vorzubereiten. Aber zuerst macht jede Gastgeberin und jeder Gastgeber sich doch Gedanken um die Gästeliste.
Wen lade ich oder wen laden wir ein?
Wer soll unbedingt dabei sein?
Wer wird eingeladen, weil wir uns ihm oder ihr verpflichtet fühlen?
Wer kann mir oder uns nützlich sein für die Zukunft?
Mit wem müssen wir uns mehr vernetzen, um bestimmte Ziele zu erreichen?
Wer ist nicht eingeladen?
Diese Fragen hat sich möglicherweise auch der Gastgeber gestellt, von dem Lukas im 14. Kapitel seines Evangeliums berichtet. Das „Gleichnis von der Einladung zum Fest“ ist der zentrale Bibeltext im Gottesdienst zum Weltgebetstag 2019 aus Slowenien.

Das Fest ist vorbereitet. Der Tisch festlich eingedeckt. Die Speisen sind gekocht. Getränke stehen  bereit. Die Eingeladenen können kommen.
Doch dann passiert das Unerwartete. Alle sagen ab. Sie haben nachvollziehbare Gründe, wichtige Geschäftstermine, die eigene Hochzeit.   
Wie ging es Ihnen, als eine von Ihnen geplante und vorbereitete Einladung abgesagt wurde? Waren Sie enttäuscht oder vielleicht sogar – heimlich – sauer? Höflich, wie wir sind, sprechen wir es meist nicht aus.
Nicht so unser Gastgeber. Er ist wütend, denn er hat sich die Einladung viel kosten lassen. Die fertigen Speisen einfach wegwerfen? Das Fest ausfallen lassen? Das will er nicht.

Der Gastgeber münzt seinen Zorn in Kreativität um. Das Festessen wird auf jeden Fall stattfinden. Zweimal schickt er seinen Diener aus, um Menschen einzuladen, an denen er im Alltag bisher geschäftig vorbeiging. „Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen, die Behinderten, die Blinden und die Gelähmten herein!“ Und als immer noch Plätze frei sind an der Festtafel: „ Geh auf die Feldwege und an die Zäune und dränge alle, die du dort findest, zu kommen, damit mein Haus voll wird!“
Zaungäste werden so zu Tischgästen.

Dieses Festessen verläuft sicher anders als geplant. Etikette und feine Tischsitten sind hier kaum zu erwarten, dafür eine laut-fröhliche Feststimmung, wenn die ersten Unsicherheiten auf beiden Seiten gewichen sind. Der Gastgeber feiert selbstverständlich mit, auch wenn die Geschichte dies nicht erzählt.

Was nehmen die Festgäste von diesem Fest mit, was der Gastgeber? Vielleicht die Erfahrung, wertgeschätzt worden zu sein – so, wie sie sind. Hier begegnen sie sich auf Augenhöhe und überwinden Zäune in ihren Köpfen. Und wer weiß, vielleicht ist solch ein Fest auch der Beginn neuer Freundschaften.

Diese Geschichte nehmen die Weltgebetstagsfrauen aus Slowenien zum Anlass, ausdrücklich diejenigen Menschen in den Blick zu nehmen, die am Rand ihrer Gesellschaft leben. Dazu gehören Roma, Witwen, die mit ihren kleinen Renten ihre arbeitslosen Kinder und deren Familien unterstützen, Frauen und Kinder, die häusliche Gewalt erfahren. In Marjeta, Moica, Marija, Ema und Natascha bekommen sie in der Gottesdienstordnung eine Stimme.

Die slowenischen Frauen laden uns ein, mitzufeiern!
Der Tisch ist gedeckt, alles ist vorbereitet, für jede und jeden ist Platz!
Kommt, alles ist bereit!
Occupy heaven!

Petra Hornke und Christine Ziehe-Pfennigsdorf

(Die Bilder stammen aus dem animierten Videoclip zum Titelbild.)





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